Stellplatz

Automatisierter Stellplatz in Kempten

Strom, Zutritt, WLAN und Abrechnung aus einem System

 

Am Illerdamm in Kempten entstand ein neuer Wohnmobilstellplatz mit 38 Parzellen, der von Anfang an weitgehend automatisch und ohne klassische Rezeption funktionieren sollte. Die Stadt Kempten wollte damit den bisherigen kleinen Stellplatz ersetzen und ein ganzjähriges Angebot in direkter Nähe zur Innenstadt schaffen, das ganzjährig betrieben werden kann. Als wir über die Ausschreibung zum Projekt kamen, waren die bauliche und elektrotechnische Planung bereits abgeschlossen. CampConcept übernahm die technische Ausstattung für Strom, Frischwasser und Entsorgung, das Netzwerk mit Gäste-WLAN, die Videoüberwachung sowie die Schrankenanlage mit Kennzeichenerkennung, Einfahrts- und Ausfahrtsäule. Bei der Prüfung der Planung änderten wir die Anordnung der Stromversorgung: Vorgesehen waren Säulen mit jeweils vier Anschlüssen. Dadurch hätten einzelne Gäste ihre Steckdose erst suchen und das Kabel teilweise über eine benachbarte Parzelle führen müssen. Heute steht zwischen jeweils zwei Stellplätzen eine Stromsäule CTOWER. Damit hat jede Parzelle eine direkt erreichbare CEE-Steckdose. Weitere Informationen zum Platz veröffentlicht Kempten Tourismus; die Allgäuer Zeitung berichtete kurz vor der Eröffnung über den Projektstand.

Für die Montage waren wir mit fünf Personen zwei Wochen in Kempten. Die Tiefbauarbeiten gehörten nicht zu unserem Auftrag, die Elektroinstallation im Außenbereich führten wir selbst aus. Den Hausanschluss und die Installation im Sanitärgebäude übernahm das Allgäuer Elektrohaus, die elektrotechnische Fachplanung kam vom Ingenieurbüro Gutmann. Die Technik für die Duschabrechnung lieferten wir bereits an SWERO, damit sie beim Bau des vorgefertigten Sanitärgebäudes direkt im Werk integriert werden konnte. Bei der Inbetriebnahme verbanden und konfigurierten wir anschließend alle Komponenten vor Ort. Auch die Internetanbindung entstand in zwei Schritten: Zunächst erschlossen wir den Platz über Starlink, vor der Eröffnung kam der feste Glasfaseranschluss hinzu. Starlink bleibt als automatische Ersatzverbindung bestehen und kann bei einem Ausfall den gesamten technischen Betrieb einschließlich des Gäste-WLANs übernehmen. Mehr Abstimmung als zunächst erwartet erforderte die Übergabe der Aufenthaltsdaten aus dem Platzverwaltungssystem CTOOLS an die Live-Belegungsanzeige auf der Website und an Feratel für die digitale Gästemeldung. Das von womoclick Camper TV veröffentlichte Video zeigt den fertigen Platz, seine Ausstattung und die Lage an der Iller.

 

Ein Aufenthalt ohne Guthabenkarten

 

Bei der Einfahrt zieht der Gast eine RFID-Gästekarte aus der Säule – im Grunde wie ein Parkticket. Sobald die Karte entnommen wird, öffnet sich die Schranke. Gleichzeitig erfasst die Kennzeichenerkennung das Fahrzeug und speichert ein Bild der Einfahrt. Einen Tarif muss der Gast nicht vorab auswählen. CTOOLS legt den Aufenthalt an und führt anschließend Gästekarte, Kennzeichen, Aufenthaltsdauer, Verbräuche und Zahlungen zusammen. Über den QR-Code auf der Karte öffnet der Gast seine persönliche Aufenthaltsseite, registriert sich und kann jederzeit die bisher angefallenen Kosten und Verbräuche sehen. Möchte er den Platz zwischendurch verlassen, gibt er dort die geplante Aufenthaltsdauer an und bezahlt die bis dahin offenen Beträge. Danach ordnet die Kennzeichenerkennung das Fahrzeug bei der Aus- und erneuten Einfahrt automatisch dem laufenden Aufenthalt zu. Am Ende werden Stellplatz, Strom, Frischwasser und Duschwasser gemeinsam am bargeldlosen Automaten bezahlt. Möglich sind Kartenzahlung und kontaktloses Bezahlen mit Karte oder Smartphone. Anschließend fährt der Gast zur Ausfahrt, steckt seine Gästekarte in die Ausfahrtsäule und die Schranke öffnet sich. Die Karte bleibt in der Säule und kann später wieder an der Einfahrt eingesetzt werden. Auch Strom, Wasser und Sanitärzugang laufen über dieselbe Karte. An der Stromsäule hält der Gast sie vor das Lesegerät und steckt anschließend seinen CEE-Stecker ein. Die Säule erkennt, welche Steckdose belegt wurde, ordnet sie dem Aufenthalt zu und schaltet den Anschluss frei. Jeder Stellplatz besitzt eine eigene Absicherung mit Fehlerstromschutz. Der Verbrauch wird automatisch erfasst; beim Abziehen des Steckers schaltet die Säule den Anschluss wieder aus. Werte und Hinweise auf eine ausgelöste Sicherung erscheinen direkt am Display und in der zentralen Betriebsübersicht. Frischwasser und Duschen werden ebenfalls per Karte freigeschaltet, über Wasserzähler gemessen und dem Aufenthalt zugerechnet. Frischwasserversorgung, Entleerungsstellen und die zugehörigen Leitungen sind beheizt und winterfest ausgeführt, damit die Ver- und Entsorgung auch während des ganzjährigen Betriebs nutzbar bleibt. Für Toilettenkassetten stehen zwei unterschiedlich hohe Entleerungsstellen und der CTOWER Cleany zur Verfügung. Beim Cleany drückt der Gast die Kassette gegen einen Spüldorn, lässt Wasser einlaufen und leert sie anschließend an der Entleerungsstelle aus. Die bewusst einfach gehaltene Technik kommt mit wenigen beweglichen Komponenten aus und vermeidet damit mögliche Fehlerquellen einer vollständig automatisierten Kassettenreinigung. Auch der Grauwasser-Bodeneinlass arbeitet selbstständig: Eine umlaufende Induktionsschleife erkennt das Fahrzeug, startet beim Befahren die Vorspülung und löst nach dem Verlassen die Hauptspülung aus.

Heute kümmert sich ein Platzwart vor Ort um Sauberkeit, Bonrollen und den Umlauf der Gästekarten. Er bringt die an der Ausfahrt eingezogenen Karten zurück zur Einfahrtsäule, während Reinigungskräfte das Sanitärgebäude betreuen. Der übrige Ablauf funktioniert automatisch. Über unsere Supporthotline sind wir an sieben Tagen pro Woche von 8 bis 20 Uhr erreichbar. Aufenthalte, Zahlungen, Karten, Stromanschlüsse und Schranken lassen sich aus der Ferne prüfen und steuern; ein Einsatz vor Ort ist normalerweise nur bei einer tatsächlichen Beschädigung erforderlich. Wie einfach der Ablauf für Gäste geworden ist, zeigte ein Anruf kurz nach der Eröffnung: Ein Gast hatte seine Karte gezogen, sich registriert und fragte anschließend, was er nun noch tun müsse. Die Antwort war: nichts. Von anderen Stellplätzen kannte er es nur so, dass zuerst Guthaben gekauft und auf eine Karte geladen werden musste. In Kempten werden die Leistungen während des Aufenthalts gesammelt und erst am Ende bezahlt. Schon wenige Tage nach der Eröffnung war der Platz vollständig ausgelastet, und die Allgäuer Zeitung veröffentlichte erste Reaktionen der Gäste. Bei der Wahl der „Stellplätze des Jahres 2026“ erhielt Kempten einen Sonderpreis der Fachjury. Im Februar 2026 stellte promobil den Platz in einem ausführlichen Stellplatztipp vor. Im Mai folgte das TopPlatz-Gütesiegel, über dessen Verleihung auch der Kreisbote berichtete. In seiner späteren Vorstellung als „Stellplatz des Monats“ zog promobil rund ein Jahr nach der Eröffnung eine positive Bilanz. Der Beitrag beschreibt, wie der frühere Stellplatz mit nur sieben Plätzen durch 38 neue Parzellen ersetzt wurde, und ordnet die rund zwei Millionen Euro teure Anlage als bewusste Investition der Stadt in den Tourismus ein. Besonders bemerkenswert ist, dass viele Gäste in ihren Bewertungen ausdrücklich den technischen Ablauf erwähnen. Normalerweise spricht kaum jemand über Schranken, Stromsäulen oder einen Kassenautomaten – außer die Bedienung fällt besonders positiv auf.

 

Bildnachweis: © Stadtmarketing Kempten GmbH

 

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